Ich glaube, ich
kann meinen Augen nicht trauen. Dieser Ort, Karlova
Studánka (Karlsbrunn), am Fuß des Praded (Altvaters) gelegen, widerspricht all dem,
was ich bisher geschrieben habe. Er ist wohl, trotz seiner nur 300 Einwohner, ein überaus
mondäner Ort. Die mächtigen, meist im klassizistischen Stil errichteten, mit dunklem
Holz verkleideten Gebäude stammen aus den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Karlova
Studánka, das heute Kurgäste aus dem Westen umwirbt, verbreitet noch immer den Hauch der
K.u.K.-Monarchie, wie einst, als es noch Bad Karlsbrunn hieß. Die distinguierte
Atmosphäre eines Bades der Jahrhundertwende ist völlig erhalten geblieben, Stilbrüche
im Ortsbild konnte ich nicht finden.
Und angeblich weht hier der sauberste Wind ganz Mitteleuropas. Und auch die Landschaft
scheint in der Zeit stehen geblieben zu sein.
Das Altvatergebirge (heute Hruby Jeseník genannt) ist das zweithöchste
Gebirge des Sudeten-Gebirgssystems und etwa 40 Kilometer lang. |
Sein höchster
Berg, der Altvater, misst 1492 m. Zwischen seinen oft felsigen Gipfeln erstreckt sich eine
sanfte Mittelgebirgslandschaft mit großen menschenleeren Flächen und romantischen
Tälern.
Von Karlsbrunn an gewinnt die Landschaft einen immer makelloseren Charakter, es ist ein
kleines Wunder an Ausgewogenheit von Berg und Tal, Feld und Wald,Wasserläufen und
Streudörfern, eine der wohl schönsten Landschaften dieserArt in Mitteleuropa. Filtert
man etwas von der Moderne, die sich dennoch eingeschlichenhat, im Geiste weg, so könnte
man sich in Großvaters heilen Welt wiederfinden. |
| Im
Restaurant beobachtet: |
Szegediner Gulasch
mit böhmischen Knödeln und Bier für umgerechnet zwei Euro. Was kann die
Abgeschiedenheit dieses Ortes besser bezeugen als dieser Preis?
Ich schaue unauffällig, um nicht aufdringlich zu erscheinen, zum Nebentisch hinüber. Ein
Mann mittleren Alters, im blauen, verschmutzten Overall und mit ungepflegtem blonden
Vollbart sitzt einem kleinen Mädchen, wohl seiner Enkelin, gegenüber und isst. Seinen
kleinen, in Lach- und Weinfalten eingebetteten Augen entspringt jedes Mal ein warmes,
liebevolles Lächeln, wenn er das kleine Mädchen ansieht. Und wie lebendig lachen ihre
dunklen Augen dann zurück.
An einem anderen Tisch sitzen zwei Buben, ich schätze sie etwa auf sechs oder sieben
Jahre. Wie "artig" wirken sie auf mich. Als ob sie noch nicht alle Ansprüche
aufgenommen hätten, noch nicht von tausend Eindrücken überflutet worden wären, noch
nicht die Alles-bekommen-haben-Attitüde angenommen hätten.
Eine bescheidene, kleine Welt, diese, die all die Widrigkeiten in Kauf nimmt - nehmen
muss.
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| aus einem Reisebericht von
Bernd Zillich: |
Dieses Heilbad in Nordmähren hat
eine 217-jährige Tradition, es liegt im Altvatergebirge in 800m ü. NN im Tal des Flusses
Bila Opava. Die Luft ist hier ganz besonders rein.
Es erfolgt eine auf natürliche Mineralquellen und Moorbäder gestützte
balneotherapeutische Behandlung. Zum Beispiel Wirbelbäder, Heilgymnastik,
Bewegungstherapie, Wannenbäder, Klimatherapie, Paraffinpackungen, Massagen aller Art,
Terriankuren, Inhalationen.
Indikationen:
Erkrankungen des Bewegungsapparates (Gelenke, Wirbelsäule, Arthritis, Osteoporose,
Bandscheibenschäden...), Atemwegserkrankungen (Asthma, ...), Krebserkrankungen, Herz- und
Kreislauferkrankungen (Gefäßerkrankungen, Durchblutungsstörungen, ...),
Streß/Erschöpfung
Es gibt ergänzende Rekonditions- und Rahabilitationsprogramme. Im Winter sind ideale
Bedingungen für Skisport vorhanden. |
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